Dokumentiert: Anfrage zum Forum der Gemeinschaft der Internetdienstleister

Im Ratsdokument 6606/15  wird das „Forum der Gemeinschaft der Internetdienstleister“ genannt.

Aus der Drucksache des Deutschen Bundestages BT-Drucksache 18/4413 geht unter Berufung auf Europol hervor, dass es sich um ein Forum der Europäischen Kommission handelt. Europol baut seine Kontakte mit der Internetindustrie aus: Im Juli soll eine “Meldestelle” für unliebsame Internetinhalte online gehen, die zunächst auf den Phänomenbereich Islamismus beschränkt ist. Hierzu haben bereits mehrere Treffen mit Google, Facebook und anderen Anbietern stattgefunden. Diese sollen entsprechenden Aufforderungen von Europol möglichst zügig nachkommen. Hintergrund ist die Annahme, dass die Meldung durch eine Polizeiagentur mehr Gewicht haben könnte und die Provider womöglich schneller handeln. Jedoch ist bekannt, dass die Internetdienstleister gewaltvolle Inhalte (z.B. Enthauptungsvideos) von sich aus schnellstmöglich entfernen. Die Notwendigkeit neuer Formen der Zusammenarbeit von Europol und Internetdienstleistern ist also unklar.

 

1. Wann wurde dieses Forum gegründet, wer ist daran beteiligt, und wie oft finden Treffen statt?

2. Worin bestehen Aufgaben und Ziele des Forums?

3. In welcher Form und auf welcher Grundlage soll das Forum zur Arbeit des Europol Internet Referral Unit beitragen? Weiterlesen »

Die Vorratsdatenspeicherung der Lüfte

datenschutz-broschuereSoeben stimmte der Innenausschuss des EU-Parlaments über die Einführung einer Fluggastdatenspeicherung ab (kurz: PNR, Passenger Name Record). Mit Stimmen von Europäischer Volkspartei, Konservativen, Rechtsradikalen und Sozialdemokraten wurde der offensichtlich grundrechtswidrige Bericht des Tories Timothy Kirkhope angenommen. Zwar wurde die alltägliche Vorratsdatenspeicherung im letzten Jahr vom Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt, dennoch bestanden die Kommission, genauso wie die großen und konservativen Parteien darauf, die Reiseüberwachung auf EU-Ebene weiter zu verfolgen. Weiterlesen »

Bürgerinnen und Bürger müssen die Hoheit über ihre Daten wiedererlangen

datenschutz-broschuereDer Europäische Datenschutzbeauftragte stellt heute im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres seinen Jahresbericht 2014 vor. Dazu erklärt die Europaabgeordnete Cornelia Ernst, DIE LINKE., Sprecherin für Datenschutz:

Angesichts des noch immer andauernden Überwachungsskandals und all den Berichten von Datenlecks und mangelnder Computersicherheit wird immer deutlicher, wie wichtig es ist, dass die Bürgerinnen und Bürger die Souveränität über ihre Daten wieder erlangen, online wie offline. Dazu gehören für uns dreierlei: Erstens dürfen Daten nur für einen bestimmten Zweck erhoben werden und auch nur solange gespeichert werden, wie dafür notwendig. Darüber hinaus dürfen Daten nur Verarbeitet werden, wenn man vorher sein ausdrückliches und freiwilliges Einverständnis erteilt hat. Weiterlesen »

Anfrage an die EU-Kommission zum „Forum der Gemeinschaft der Internetdienstleister“

Im Ratsdokument 6606/15 wird das „Forum der Gemeinschaft der Internetdienstleister“ genannt.

Aus der Drucksache des Deutschen Bundestages BT-Drucksache 18/4413 geht unter Berufung auf Europol hervor, dass es sich um ein Forum der Europäischen Kommission handelt. Europol baut seine Kontakte mit der Internetindustrie aus: Im Juli soll eine „Meldestelle“ für unliebsame Internetinhalte online gehen, die zunächst auf den Phänomenbereich Islamismus beschränkt ist. Hierzu haben bereits mehrere Treffen mit Google, Facebook und anderen Anbietern stattgefunden. Diese sollen entsprechenden Aufforderungen von Europol möglichst zügig nachkommen. Hintergrund ist die Annahme, dass die Meldung durch eine Polizeiagentur mehr Gewicht haben könnte und die Provider womöglich schneller handeln. Jedoch ist bekannt, dass die Internetdienstleister gewaltvolle Inhalte (bspw. Enthauptungsvideos) von sich aus schnellstmöglich entfernen. Die Notwendigkeit neuer Zusammenarbeitsformen von Europol und Internetdienstleistern ist also unklar.

 

  1. Wann wurde dieses Forum gegründet, wer ist daran beteiligt und wie oft finden Treffen statt?
  2. Worin bestehen Aufgaben und Ziele des Forums?
  3. In welcher Form und auf welcher Grundlage soll das Forum zur Arbeit des Europol Internet Referral Units beitragen?

Das Geschäft mit der Zukunft

stop_watching_us“Bei einem Besuch der USA werden die Unterschiede zu Europa dramatisch bewusst: Die Geheimdienste haben eine Allmacht erhalten, die jetzt durch Gesetze kaum noch gezügelt werden kann. Doch auch in Europa werden Daten gesammelt.

Der Innenausschuss des Europäischen Parlaments ist der bisher einzige, der einen NSA-Untersuchungsbericht erstellt hat. Nun fuhren seine Mitglieder erneut nach Washington, um herauszufinden, ob es Konsequenzen aus der harschen Kritik an der Ausspähung der Europäer durch die NSA gibt. Was wir in Gesprächen mit Regierungsvertretern, Beratern des Präsidenten, Geheimdienstlern, Kongressabgeordneten, Senatoren und der Zivilgesellschaft erfuhren, könnte widersprüchlicher kaum sein. Als angemeldete Parlamentariergruppe erlebten wir selbst den Sicherheitswahn in allen öffentlichen Einrichtungen, teilweise dauerten die Kontrollen länger als unsere Gespräche in den Behörden selbst.”

 

Cornelia Ernst in einem Gastbeitrag für das Neue Deutschland (09.04.2015) über eine Reise ins Überwachungsparadies USA und den Stellenwert des Datenschutzes in Europa

 

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“Im Auge des Taifuns”

Meine zweite Reise mit dem LIBE-Ausschuss nach Washington (16. – 19. März)

 

Ich bin zum zweiten Mal in Washington, in gleicher Sache, der freiheitsberaubenden Massenausspähung von Europäern durch die NSA. Wie 2013 trafen wir als EP- Delegation des Innenausschusses verschiedene Ministerien, für Justiz, für Handel, für Finanzen, diverse Vertreter von Instituten und hochrangige Offiziere der Sicherheitsdienste, Kongressabgeordnete und Senatoren.

 

stop_watching_usWie zerrissen das Land ist, zeigten zwei völlig gegensätzliche Tendenzen. Zum einen ist es tatsächlich dem Druck insbesondere der EU-Parlamentarier zu verdanken, dass jetzt – übrigens auch zum zweiten Mal – eine Gesetzesvorlage in die Pipeline gekommen ist, nach der US-Amerikaner und Nicht-US-Amerikaner rechtlich gleichgestellt werden sollen. Dieser Grundsatz, der im europäischen Recht seit langem verankert ist, soll nun nachgeholt werden. Auf diese Weise wird es einfacher, sich rechtlich zu wehren, wenn man in den USA Widerspruch gegen polizeiliche oder andere Praxis einlegen will. So soll es künftig möglich sein, dass personenbezogene Daten von Europäern einen Schutz nach US-Recht erhalten können. Das ist zweifelsohne ein Fortschritt, der sich auch in dem Grundlagengesetz „Bill of Freedom Rights“ niederschlagen soll. Dazu laufen jetzt die Verhandlungen im Senat und  Repräsentantenhaus. Ganz klar ist, dass Edward Snowdens Enthüllungen dazu wesentlich beigetragen haben. Auch soll die pauschale Massenüberwachung von allem und jedem durch die Geheimdienste nicht mehr so möglich sein, wird zumindest behauptet. Eine Reform der Geheimdienste soll dazu dienen, Zweckbestimmung und Löschvorschriften zu konkretisieren. Spannender sind die scheunentorgroßen Ausnahmeregelungen, die pauschale Massendatensammlung und -verarbeitung weiterhin erlauben. Auch mehr Kontrolle soll es geben. Das sind  einige beachtliche Schritte nach vorn, die auf Druck des Präsidenten und gegen den Widerstand der Geheimdienste auf den Weg kommen sollen. Weiterlesen »